918 Seemeilen Offshore übers Mittelmeer mit der Centaurus.

Hier ist die Geschichte der "Centaurus", die mit ihrer sieben Mann starken Besatzung 14 Tage unterwegs war, um fremde Seegebiete zu erkunden, die noch nie zuvor ein Chartercrew gesehen hat.

Die "Centaurus" ist eine 55-Fuß-Alu-Rennyacht (Cigale 16). Ihr 145 qm Segelfläche katapultieren ihre 10 Tonnen auf maximal berauschende 16 Knoten Rumpfgeschwindigkeit. Die Technik ist für den Regattasport ausgelegt: durchgelattetes Großsegel, kugelgelagerte Mastrutscher, ‚Balasttanks, Regattarigg.

Wir verließen den Ausgangshafen Port Grimaud bei 10 Knoten Wind und ruhiger See. Dieses Lüftchen reichte aus, um 5 Knoten Fahrt zu machen. Schon bei 20 Knoten Wind war die "Centaurus" übertakelt und schoss. Nach dem Reffen, das sehr leicht durchzuführen war (wegen der ausgezeichneten Bootstechnik), durchpflügten wir mit 13 Knoten die See. Am zweiten Tag begann um 12:00 Mittags unser großer Schlag nach Fornelles/Menorca (ein Naturhafen an der Nordküste). Kurs 210 – bei westlichen Winden (Beaufort 6-7) ein harter Am-Wind-Kurs. Bei 2,50 Meter Freibordhöhe in Luv hatte die anrollende See kaum eine Chance, unsere begeisterten Gesichter zu nässen. Im Laufe des Nachmittags drehte der Wind (entgegen den Wettervorhersagen) immer mehr Richtung Süd. Kurz vor Sonnenuntergang konnten wir uns nur noch für Afrika oder Corsica entscheiden. Die Entscheidung fiel für letzteres (so schnell kann’s gehen !). Apropos schnell: 4 Uhr Morgens waren wir in Cargese/West-Corsica). Bei einer versegelten Distanz von ca. 200 Seemeilen ergibt das eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12,5 Knoten. Die nächsten Tage führten uns über Propriano, mehrere traumhafte Buchten (siehe Bild), Bonifacio nach La Madalena (Madalena-Archipel/Sardinien). Von hier aus starteten wir den 2. Versuch nach Menorca. Ein Kombination aus Wind- und Sprit-Mangel veranlaßte uns leider, auch bei diesen Versuch noch einmal Sardinien anzulaufen. Das Städtchen Algero überzeugte durch seine geschmackvolle Altstadt, unfreundliche Hafenmeister, überwältigende Weiblichkeit und brütende Hitze. Da gab es nur eins: Leinen los, bevor die Hälfte der männlichen Besatzung Algero zu Wahlheimat gemacht hätte. Bei Auslaufen bemerkten wir, daß Dirk’s Wassertank-Füll-Versuche in der Bilge endeten (falscher Einfüllstutzen). Eine Tonne Wasser beeinflußte die Segeleigenschaften der "Centaurus" etwas zum Nachteil.

Unser persönliche Offenbarung – nach Menorca zu gelangen – erfüllte sich in grandiosen Überfahrt bei 5-6 Beaufort, leichter See und sternklarer Nacht. Nach 26 Stunden liefen wir nach Mahon, dem zweitgrößten Naturhafen der Welt ein. Ein langer Fjord mit vielen schmucken Villen führte uns zum obligatorischen Liegeplatz am "Club Nautico Royal" vorm besten Restaurant der Stadt. Selbstverständlich war es dem Club eine Ehre, uns zu empfangen, so daß auch keine Liegegebühren anfielen. Der folgende Tag führte uns in die "Cala Covas". Dort leben im Sommer laut Thomas nackte Frauen in Höhlen (Hippies). Doch im Oktober war zum Ärger von Thomas nicht mehr viel los. Mit unserer 16,5 Meter-Yacht füllten wir die halbe Bucht. Alle anderen Schiffe ergriffen bei diesem Anblick die Flucht.

Der nächste Morgen brachte viel Wind aus Norden. Die "Centaurus" bäumte sich auf – sie wollte raus. 30-40 Knoten Wind in der Landabdeckung von Menorca beamten uns nach Cala Ratjada/Mallorca. Unterwegs im interbalearen Hyperraum zwischen Menorca und Mallorca erwischten uns ein Gewitter, Hagel, 4-Meter-Wellen, weißes Wasser und 9-10 Beaufort. Fazit: Origanalton: Ritsch, Ratsch, Rutsch – Segel futsch – scheiße. Mit der Fock ging's weiter zum Zielhafen. Dort reihten sich mehrere Schiffe an der Außenmole zu einer Armada der zerstörten Segel auf. Wir reihten uns ein. Am nächsten Tag war der Schaden behoben – für DM 250,--.

Nach einem kurzen Stop-Over in einer Badebucht, wo die "Centaurus" an einer Mooringboje festmachen wollte, die sich später als Taucherboje entpuppte (dummes Gesicht des Tauchers) , ging es direkt an die Cote d’Azur. Wunderschönes Wetter, 0 Wind. Wäre normalerweise eine langweilige Überfahrt geworden, wenn nicht 50 sm vor den hyerischen Inseln die Ereignisse sich plötzlich überschlagen hätten. 10.00 Morgens wurde Dirk aus dem Schaf gerissen. An seiner Schleppangel zog ein Seeungeheuer. Der Überlebenskampf des Seeungeheuers – in Form eines 25-Kilo-Thunfisches – dauerte 20 Minuten. Danach war unser Überleben für 3 weitere Tage gesichert. Das Monster war kaum an Bord sichteten wir 2 Wale (ein Glück, daß die nicht angebissen hatten). Nach diesem traumhaften Erlebnis erschien an unserer Backbordseite ein Helikopter der Französischen Marine. Sie teilten uns über Funk mit, daß wir direkt auf ein Zielgebiet zufahren würden und wir unseren Kurs auf 350 zu ändern hätten. Die kleine Kursänderung ließ unseren Spritvorrat erheblich schrumpfen. Nach unserer Ankunft in Porquerolles tankten wir 210 Liter in unseren 180-Liter-Tank. Komisch – nicht ? Der nächste Tag führte uns zurück nach Port Grimaud, wo wir hart am Wind die mit jubelnden Menschen gepflasterte Hafenmole passierten. Ein Aufschießer zur Tankstelle – Segel runter – Leinen fest – und ein ultimativer Segeltörn, der unbedingt wiederholt werden wird, ging zuende.

Autoren: Thomas Rothe und Dirk Marquardt