| Neuseeland - Vom Hauraki Gulf zur Bay of Islands | |
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Ein außergewöhnlicher
Segeltörn aus der Perspektive von Jargo und Mooriella Sonntag,
04.03.2001 Bayswater-Marina,
eine Marina mit allem was ein Segler begehrt, mit einem Hygienestandard
von dem man im Mittelmeer nur träumt, ist der Heimathafen unserer Young
40 Yacht mit dem Namen "Kiwi Breeze". Rob von Charter-Link gibt
uns eine Einweisung in die sehr komfortable Yacht mit anschließendem
Kartenbriefing, das die Vorfreude auf den Törn ins Unermessliche
steigert. Wir tätigen im nahen Devonport noch die Einkäufe und verstauen
unsere Habseligkeiten. Die halbe Crew, erst morgens angekommen, kämpft
noch mit den JetLag und so endet der Abend gemütlich. Montag,
05.03.2001 Nach einer
Sicherheitseinweisung nach dem Frühstück und der gemeinsamen Absprache für
den heutigen Tag, laufen wir gegen 13 Uhr aus um im Hauraki Gulf die
"Kiwi Breeze" unter Segeln kennen zu lernen. Wir sind positiv überrascht
als wir das Segel aus dem Baum rollen und ein erstklassiges voll
durchgelattetes Großsegel vorfinden. Bei ca. 8 - 12 kn Wind segelt die
Young 40 mit einer großen Leichtigkeit, trotz ihrer Breite von
m. Die Ausfahrt aus der Marina, vorbei an der Skyline Aucklands in
den Hauraki Gulf mit seinen wegen eines regenreichen Sommers sehr grünen
Inseln, bietet einen großen Kontrast. Nach einigen Boje-über-Bord-Manövern
zum Warmsegeln laufen wir die Islington Bay an, ankern dort auf 4,5 m
tiefem Schlickgrund, um mit einem Grillabend den Tag zu beschließen. Dienstag,
06.03.2001 Die Crew ist früh
am Morgen auf den Beinen. Nach dem Frühstück wird jedoch lange
gefachsimpelt und so laufen wir erst um 11 Uhr aus, setzen die Segel bei 6
kn Wind, der dann auf 11 kn ansteigt, um in Richtung Waiheke Island zu
segeln. Unter Kreuzen und Einlernen von Dani am Ruder, die ihre Kenntnisse
erst wieder auffrischt, machen wir eine Kaffeepause in Onetangi Bay.
Obwohl es überwiegend bewölkt ist hat es Mooriella sehr eilig zu baden
und dabei das fliehende Dingi zu retten. Für weniger hart Gesottene ist
das 21 °C warme Wasser keine Verlockung, trotz 26 °C Außentemperatur.
Um 16 Uhr legen wir unter Tidenhöchststand ab um die im Hafenhandbuch
beschriebene Owhanake Bay für die Nacht aufzusuchen. Doch die Bucht ist
flacher als beschrieben und bietet deshalb für unsere Yacht keinen
sicheren Liegeplatz. Also suchen wir die durch Fährverkehr unruhigere
Matiatia Bay auf und machen an einer Mooring, durch Boje gekennzeichnet,
fest. Das 1 km entfernte Oneroa bietet abends gute Möglichkeiten für ein
Abendessen und tagsüber auch für Einkäufe. Die letzte Fahrt mit dem
Dingi zurück zum Boot endet wegen Spritmangels dann noch etwas sportlich. Mittwoch,
07.03.2001 Wir frühstücken sehr früh, da unser Skipper um 8 Uhr ablegen will. Das schaffen wir auch, da die Gasflasche leer ist und die Ersatzflasche auch nichts von sich gibt und so der Kaffee ausfällt. So laufen wir pünktlich aus, nachdem das Schiff einigermaßen sturmsicher ist. Denn morgens wird die Wettervorhersage auf Channel 21 abgehört: Morgens 20 kn ansteigend auf 25 kn, am Nachmittag Böen bis 35 kn. Unser Ziel ist die Insel Kawau am nördlichen Rand des Hauraki Gulfs. Dort gibt es laut Hafenhandbuch Einkaufsmöglichkeiten. Anfangs noch nach Sichtnavigation sehen wir die Skyline Aucklands im grauen Dunst verschwinden und segeln, bei 20 kn Wind aus E mit halbem Wind 8 kn über Grund, mit gerefften Segeln nach Norden. Unsere Schwerwettersteuerfrau Jargo hat ein Leuchten in den Augen und muss sich erst einmal daran gewöhnen die Pazifikwellen abzusurfen. Vor der Einfahrt in den South Channel vor der Kawau Bay, bergen wir bei starker Dünung das Großsegel, passieren mit raumem Wind unter Fock die Passage und kreuzen dann in Richtung der Bucht von Bon Accord Harbour. Vorbei am Manison House, der Privatvilla des Gouverneurs Sir George Grey, machen wir in der School House Bay bei Wind und Regen mit einigen Schwierigkeiten an einer Bojen-Mooring fest. Die Sehnsucht nach einem Kaffee treibt die Crew an Land. Wir entdecken jedoch nur die Ladies Bay, eine kleine Bucht mit Felsen aus vulkanisch gebackenem Sand in Purpur- und Ockertönen, und besagtes Manison House mit geschlossenem Tea House. Der Rückweg über den Redwood Track ist sehr urig und mit üppiger Flora, gleich dem idealisierten Garten Eden (Jargo). Allerdings ohne Gasflaschen. Donnerstag, 08.03.2001 Unser als
Moorhuhn getarntes Handy versagt als Wecker, so weckt der Skipper erst
nach 8
Uhr die Crew. Frühstück wie gestern ohne Tee und Kaffee. Mit der
Aussicht abends einen Kaffee genießen zu können, laufen wir über den
North Channel der Kawau Bay
aus. Bei Wind NE fliegen unsere Hoffnungen die Great Barrier Islands zu
sehen davon und wir halten Kurs auf Whangarei. Der Wind mit bis zu 20 kn läßt
die "Kiwi Breeze" mit bis zu 8 kn über Grund dahin segeln. Die
Mannschaft ist trotz zweier heftiger Regenschauer gut gelaunt, da der
Skipper sich mit schwerem Ölzeug am Ruder dem Regen aussetzt. Selbst die
Möwen stellen den Flugverkehr ein und sammeln sich auf dem Wasser. Um 16
Uhr erreichen wir die gut erkennbare Einfahrt von Whangarei Harbour.
Backbord lassen wir die weit sichtbare Raffinerie liegen und orientieren
uns an den Fahrwassertonnen. Nach den bereits zurückgelegten 43 sm
motiviert uns die Aussicht auf einen Kaffee (in NZ trotz englischer
Geschichte mittlerweile mit italienischem Cappuccino vergleichbar). Die
landschaftlich sehr schöne Einfahrt endet nach 17 sm abrupt durch das
Aufstoppen des Skipper bei einer angezeigten Wassertiefe von 1,30 m. Den
Yachthafen und die im Reiseführer beschriebenen Cafés vor uns liegend,
drehen wir um und begnügen uns mit einer Mooring in der Einflugschneise
des Flughafens Whangarei. Freitag,
09.03.2001 Morgens um
Viertel vor 8 mit Gasflasche, Müll und Spritkanister bewaffnet, legen
Jargo und die Bootsfrau Mooriella mit dem Dingi ab, um mit der Flut in
Whangarei anzukommen. Doch erst nach unzähligen Biegungen und Krümmungen
erblicken sie 1,5 Std. später endlich den Marina Town Bassin.Dort liegen
mehrere Yachten von Ortskundigeren oder Mutigeren als uns. Nach
mehrmaligem Nachfragen und Irrwegen finden sie endlich eine Tankstelle
beim Burger King an der Ecke Hills Drive und 4th Av., die Gas auffüllt.
Schon etwas irritiert durch das Schwappen in der Flasche, bitten sie den
Tankwart die Flasche aufzufüllen, falls sie leer wäre. Nach der
Bezahlung der 88 Cent für das Befüllen der Flasche machen sie sich mit
einem Grinsen auf den Rückweg. Nach einem kurzen Stop beim Supermarkt
neben der Marina geht es zurück mit dem Dingi, um rechtzeitig und mit
Hilfe des Stroms die "Kiwi Breeze" zu erreichen, die noch mit
Ebbe auslaufen will. Stillschweigend montieren sie die Gasflasche und
kochen Kaffee. Vermutlich hatte die Gassicherheitseinrichtung einen
Wackelkontakt. Nach 2 Std. erreichen wir mit ablaufendem Wasser die
Urquharts Bay, machen an der Mooring fest und genießen die sehr reizvolle
Landschaft. Samstag,
10.03.2001 Mit der
Wettervorhersage von 30 kn aus SE, mangels VHF-Empfang in der Bucht per
SMS von unserer Segelagentur "Sail & More", laufen wir unter
Motor gegen Wind, Welle und Dünung aus. Draußen erwarten uns die 30 kn
Wind, jedoch aus E. Hin und wieder schallt ein Achtung durch das Cockpit,
jeder krallt sich fest und ein Einfamilienhaus rollt unter uns durch. Dani
sucht den Horizont und schnallt ihre Akkupressur-Armbänder fester.
Mooriella turnt wegen einer verhedderten Schot, mit dem Life-Belt
gesichert, auf dem Vordeck umeinand. Endlich setzen wir gereffte Segel.
Nach 4 Std. Kurs halber Wind bei starker Dünung, Böen und Wellen,
erreichen wir unser Tagesziel Tutukaka. Circa 1 sm vor der Einfahrt sehen
wir, dass sie doch sehr eng ist und die Dünung immer noch bei 5 m, voll
reinsteht. Also drehen wir nach N ab zum Whangaruru Harbour. D. h. weitere
2,5 Std., die Dani nicht ohne Toilettengang durchsteht. So opfert sie,
wenn auch widerwillig, ihr Frühstück dem Neptun oder seinem örtlichen
Vertreter. Die Buchteinfahrt, begrenzt durch 2 Riffe gut erkennbar,
durchsegeln wir unter Genua bei Vorwind, bergen sie danach und ankern in
der Puriri Bay.
Sonntag,
11.03.2001 Nach dem Frühstück
schüttelt Dani die Tischsets über Bord am Heck aus. Dabei beweist eines
seine Schwimmfähigkeit. Markus, ganz der Gentleman, entkleidet sich
spontan und springt tollkühn, kopfüber dem abtreibenden Set hinterher.
Seither gilt seine Brille als verschollen. Trotzdem laufen wir um 10 Uhr
aus, um über Cape Brett die Bay of Islands zu erreichen. Beim Setzen des
Großsegels bei der Ausfahrt aus Whangaruru Harbour, entfährt Jargo ein Fäkalwort,
das Mooriella entsetzt hochfahren lässt. Sie sieht das Groß schlagen und
die Großfall, die sich im Topp um Dirk und Achterstag wickelt. Zum Glück
ist es möglich das Groß mit der Reffleine zu bergen. Wir machen kehrt,
um zur Reparatur an der gleichen Stelle wie zuvor zu ankern. Da ein
Bootsmannstuhl unauffindbar ist, basteln wir verschiedene Modelle. Am
besten bewähren sich 2 Life-Belts, einen als Hüftgurt, der andere als
Brustgurt. Jargo mit ihren 49,5 kg meldet sich freiwillig in den Masttopp
zu steigen. Nachdem der Schäkel wieder seine normale Form hat und die
Sonne warm aufs Deck scheint, hat keiner mehr Lust auszulaufen. Dani und
Markus machen sich mit den Dingi nach Oakura auf um die Vorräte in einem
Tante-Emma-Laden zu ergänzen. Montag,
12.03.2001 Wir laufen um 9
Uhr bei Sonnenschein aus. Mit dem Ziel Russel in der Bay of Islands.
Mangels Wind motoren wir der sich verändernden Küste entlang -
vom Allgäu-Look zum Hochalpinen. Zwischen Festland und Cape Brett
erreichen wir die Bay of Islands. Durch das "Hole in the Rock"
kommen uns Jetboote entgegen. Bucht reiht sich an Bucht, Insel an Passage.
Deshalb ankern wir erst einmal in der Paradise Bay, die ihrem Namen alle
Ehre macht, um zu baden. Beim Five o' clock Tea beschließen wir, hier
auch die Nacht zu verbringen. Unsere Gefriertruhe, deren Größe uns
unverhältnismäßig riesig vorkam, gibt ihre letzten Vorräte für ein
Abendessen. Im Umkreis einer Stunde bietet sich auch keine Alternative. Dienstag,
13.03.2001 Bei strahlendem
Sonnenschein und ohne Wind nehmen wir Kurs auf Paihia um endlich einmal
wieder ein Kaffeehaus von innen zu sehen, machen an einer Mooring fest und
genießen den Kaffee mit Aussicht auf die Bay of Islands vom Balkon aus.
Der Touristenrummel erschlägt uns, doch wir können unsere Vorräte ergänzen
und kaufen im Supermarkt Berliner Landbrot, das jede Konkurrenz mit in
Berlin erhältlichem Landbrot schlägt. Da die Mooring uns nur bei Flut
genug Wasser unter dem Kiel bietet, laufen wir nach Russel aus. Dort
entdecken wir sehr viele kniebestrumpfte ältere Herren, die mit durch
Schuhe fußkranken, stark geschminkten älteren Fräuleins unterwegs sind,
während wir 25 NZ$ für einen Teller Muscheln bezahlen. Mittwoch, 14.03.
bis Sonntag 18.03.2001 Wir verlassen
Russel bevor es uns in den finanziellen Ruin treibt. Die restlichen Tage
vergehen mit Besichtigungen von Buchten; Maori-Kultur in Waitangi;
Halsen-Manövern aus Übungszwecken; Delfine entdecken und bewundern;
Regenschauern in Abwechslung mi Sonnenschein; Wäsche waschen mit altertümlichen
Waschmaschinen (ein Vermächtnis der Großmutter des Hafenmeisters);
Ankermanövern mit schlecht haltendem Anker und Ausbringen eines
Zweitankers in sandigem Grund; Souvenirs kaufen; nächtlichem Baden unter
südlichem Sternenhimmel mit Leuchtalgen... Am Sonntag übergeben wir
schweren Herzens die Yacht wieder dem Eigner, der sich als sehr großzügig
erweist. Er fährt uns noch zu dem von ihm organisierten Mietwagen und
spendiert einen Kaffee. Die Gastfreundschaft des Eigners und auch der
Neuseeländer allgemein, hat uns sehr beeindruckt. Ebenso die dünn gesäte
Infrastruktur die etwas Vorausdenken und Improvisationstalent erfordert,
dafür aber Segeln abseits aller kommerzieller Ablenkung und Ausbeutung
bietet. Die restlichen
Urlaubstage genießen wir mit der Erkundung des Landesinnern. Autoren: Karin Schrawattke und Debora Kühnle |
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Reisezeit Die wärmeren Monate sind von November bis April. Während dieser Zeit trifft man allerdings auch die meisten Touristen. Während der Schulferien vom 20. Dezember bis Ende Januar sind auch die Kiwi's unterwegs und es kann schon mal eng werden. Die Skigebiete sind logischerweise während der Wintermonate (Juni-August) gut besucht. Wer in der Weihnachtszeit ins Land fährt, sollte auf jeden Fall Reservierungen für Transport und Übernachtungen vornehmen. Es ist sicherlich angenehmer in der Vorsaison (November) und Nachsaison (Februar-März) nach Neuseeland zu reisen, da dann relativ wenig Reisende unterwegs sind. |
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