Schottland 05.07 – 19.07.2003
Anreisetag
Erste Eindrücke von Schottland gewannen wir bei der Bahnfahrt vom Flughafen Prestwick nach Glasgow. Golfplatz an Golfplatz direkt am Meer gelegen, blaues Wasser, Wolken und das Gras moosgrün. In Glasgow hatten wir einige Stunden Aufenthalt, da der Zug erst abends nach Oban fuhr. Den ersten typischen Pub erreichten wir über Hinterhöfe und Baustelle, das kam einigen etwas verdächtig vor. Als wir den gleichen Pub am Haupteingang ansteuerten hatte keiner mehr Einwände - `Sloane´ der älteste Pub Glasgow seit 1763. Fish und Chips und Lager bzw. Guiness stimmten uns auf Schottland ein.
Danach trennte sich die Gruppe zu individuellen Stadtbesichtigungen, ein Nickerchen auf dem Rasen in Bahnhofsnähe und dem Jazzfestival, Shoppen und natürlich Kultur in Form der sehenswerten St. Mugo Cathedral samt Necropolis, der von weitem mit dem üppigem Grün und seinen bizarren Grabsteinmonumenten an eine tropische Landschaft erinnerte.
Auf dem Weg zum Bahnhof kam uns ein Festumzug entgegen. Jedes Regiment mit seiner eigenen Musikgruppe bestehend aus vielen Trommlern und Pfeiffern, Fahnen und meist älteren weißhaarigen Herren, vereinzelt auch älteren hütetragenden Damen mit Schärpe. Ganz zum Schluss echte Schotten mit Kilt und Dudelsack. Begleitet wurde der Festzug von Hunderten von Zuschauern, die am Rande mitmarschierten, so dass es für uns kein Durchkommen gab. Auf dem weiteren Weg sahen wir die Schnapsleichen am Straßenrand, für Samstag Nachmittag waren es sehr viele.
Nach 3 Stunden Bahnfahrt kamen wir in Oban an und sahen endlich unser Schiff Stromwind von weitem bei der Insel Karrera liegen. Unsere Aufgabe war ein Wassertaxi zufinden, nur fanden wir keins (Feierabend). Nach einigen Telefonaten kam Paul von der Charterfirma Scotsail mit dem Boot nach Oban. Mittlerweile war es nach 23.00 Uhr und das Einchecken fand statt, die Crew vergnügte sich in der Zwischenzeit im Pub.
Marcus entdeckte beim Morgenspaziergang einen Supermarkt. Als er später die Einkaufcrew dorthin führte, war der Supermarkt verschwunden. Einmaliges Fragen im Tante Emmaladen brachte uns zu Tesco, wo wir auch alles fanden. Aber man beachte den Sonntag in Schottland – alkoholisierte Getränke gibt es erst ab 12.30 Uhr zu kaufen. Vorher sind die Gänge in den Supermärkten zu den alkoholisierten Getränken abgesperrt. Auf Nachfrage an der Kasse, ob es einen Transfer der Lebensmittel an den Hafen gäbe, hieß es: Leider Sonntags nicht.
Um 14.30 Uhr waren auch Bier und Whiskey an Bord verstaut und unser letztes Crewmitglied in Oban angekommen. Wetter war bewölkt, tiefhängende graue Wolken aber trocken. Ziel Fort William: Eingang zum Kaledonischen Kanal. Von Oban ging es vorbei an Lismore Island in den Loch Linhe mit ausgebaumter Genua mit bis zu 8 kn. Von weitem sahen wir den höchsten Berg Großbritanniens Ben Nevis (1343m) in Wolken. Ab und zu ließ die Sonne einen kleinen Spott durch die Wolkendecke und Farbe grau in vielen Schattierungen verwandelte sich in grün, braun und leuchtendes blau.
Das Boot eine Elan 43,1 war sehr gut ausgerüstet: durchgelattetes Groß, große Genua, Gennaker, Spinnaker und Trysegel, Navtex, Radar, 4 Flammenherd mit Grill, Heizung, 4 oder 5 Erstehilfe Boxen mit entsprechenden Büchern, Ersatzrollen und- Blöcke... (für Mittelmeersegler ein Traum alles ohne Aufpreis).
Kaledonischer Kanal
Um 8.30 Uhr nahmen wir die Corpach-Seeschleuse, danach bekamen wir vom Schleusenwärter eine Kanalhandbuch mit Karte, Befahrensregeln, den Schlüssel, der alle Dusch- und Toilettentüren bis nach Iverness öffnete. Dafür zahlten wir 195 ₤ Kanalgebühr, aber es sind auf der ganzen Strecke keine weiteren Gebühren fällig und die Duschen frei. Die Gebühr gilt für 10 Tage. Bei einem Return nach dieser Zeit, reduziert sich die Gebühr auf die Hälfte.
Die Gesamtlänge beträgt 96,5km, wobei nur 35,4km künstliche Kanäle oder Flüsse sind. Der Rest sind natürliche schmale Seen – Lochs, die den Great Glen markieren.
Unterbrochen wird der Kanal von 29 Schleusen. Außerdem müssen zehn Drehbrücken passiert werden. Der gesamte Kanal steht unter der Verwaltung von British Waterways.
Bereits eine Stunde später lag Neptuns Staircase vor uns, , eine Serie von acht Schleusen in der Nähe von Benavie, die den Höhenunterschied von 20m zwischen dem Niveau des Kanals und dem westlichen Meer ausgleichen. Die Eisenbahnbrücke ging direkt vor uns zu und eine Dampflok fuhr darüber.
Danach ließ sich die hinter der Eisenbahnbrücke liegende Autobrücke nicht mehr öffnen. Zeit für einen Regenspaziergang und die Duschen ( sauber und warmes Wasser) der Britisch Waterways zu testen. Nach 3 Stunden und einigen Zügen war die Drehbrücke repariert.
Um 18.00 Uhr erreichten wir nur mit der Genua das Ende des Loch Lochy, es regnete immer noch. Anstelle der Bergkuppen der Highlands sahen wir Wolken. Die Schleusenwärter, die immer und überall freundlich und gelassen waren, hatten Dienstschluss. Nach dem Abendessen genossen wir die Wärme der Heizung.
Wir lagen in der Nähe des Schlachtfeldes `Battle of Skirts´, der größten je verzeichneten Clan-Schlachten. 1544 kämpften hier 300 Frasers gegen 600 Mc Donnels und Camerons, wegen der Hitze alle nur im Shirt bekleidet. Übrig blieben 3 Frasers und 5 Mc Donnels.
Der höchste Punkt im Kanal ist der Loch Oich. Ein romantischer kleiner schmaler See mit vielen kleinen Inseln und Fahrwassertonnen. Er fließt auf beiden Seiten ab.
Am Ende des nächsten Kanals liegt Fort Augustus, der Beginn des Loch Ness. Loch Ness ist 38,6km lang und tiefer als die Nordsee. Vor der Schleuse in Fort Augustus trafen wir die Norweger mit ihrer Rennyacht und die weniger freundlichen Holländer vom ersten Tag wieder. Beide hatten es eilig durch den Kanal zu kommen.
Wir hatten ausgiebig Zeit zum Sightseeing, Mittagessen und uns für einen Grillabend einzudecken. Nach einigen Stunden waren die Taucher in Trockenanzügen in einer der fünf Schleusen mit der Reparatur fertig.
Mit Groß und Blister segelten wir bei strahlendem Sonnenschein auf dem Loch Ness. Ziel war die Ruine Urquardt Castle, aber bei dem Segelwind genügte allen ein leichter Kurzwechsel um das Castle genauer zu sehen. Nicht nur das unglaublich intensive Grün beeindruckte uns. Ab und an tauchten am Ufer oder erhöht auf Felsvorsprüngen alte Burgen auf oder das, was von ihnen übrig ist.
In Cambuslochy Bay ließen wir den Anker fallen, nachdem wir bei dem Versuch an einer Mooring festzumachen leichte Grundberührung hatten. Bei Lagerfeuer. gegrillten Lammkoteletts und Bier betrachteten wir Nessie, wie sie mit rotglühenden Augen im seichten Wasser vor uns schwamm.
Marcus wollte unbedingt die Wassertemperatur testen. Nach einigen vorsichtigen Versuchen ließ er sich ins Wasser fallen, wie ein Seehund sprang er nach einem Schwimmzug auf die Badeplattform zurück.
In Iverness besorgten wir die fehlenden Seekarten (Imray C22 und C66). Bei schwülwarmen Wetter tropfte uns der Schweiß, bis wir den Yachtausrüster fanden. Zum Mittagessen gab es Haggis in der Pfanne gebraten mit Nudeln und Paprikagemüse (schmeckt in dieser Variante sehr gut).
Um die Rail Swing Bridge am Ende des Kanals zu passieren und nicht in das Niedrigwasser des Morray Firth zu kommen war unsere Deadline 14.30Uhr an der Seeschleuse. Um 13.30Uhr fällt Dirk ein, er braucht noch ein Ladegerät für seinen Camcorder, sonst gibt es nur einen Film über den Kaledonischen Kanal. Glücklich mit Ladegerät und schweißgebadet war er um 14.40Uhr an Bord., so hatte wir noch eine Stunde Aufenthalt an der Seeschleuse.
Unter Genua und Groß mit raumen Wind segelten wir den Morray Firth auf der Nordsee Richtung Orkney. Abends sichteten wir die ersten Delfine, mitten in der Nacht passierten wie die großen Ölplattformen.
Orkney
Um Mitternacht wurde der Blister gesetzt und das laute Motorengeräusch verstummte endlich. Erst um 4.00 Uhr mussten die Segeln eingeholt werden, da die durch den Pentland Firth entstandene Düngung gegen uns war. Der Pentland Firth ist die Meerenge zwischen den Inseln und der Küste im äußersten Norden Schottlands. Sie gilt als eine der heimtückischsten Wasserstraßen der Welt. Sie bildet ein Nadelöhr zwischen dem Atlantik und der Nordsee. An 14 Stunden täglich läuft ein Tidenstrom von West nach Ost durch die Enge, der in Spitzen bis zu zehn Knoten und mehr erreicht. Hinzu kommt, dass die See hier nicht sehr tief ist.
Nach 2 Stunden setzten wir wieder die Segel und um 8.00 Uhr tauchten die Orkney auf. Ca. 20 der 70 Inseln sind bewohnt. Die ersten Vögel kreisten über uns, Möwen und andere Seevögel u. a. Papageientaucher. Stellenweise sahen die rotbraunen Felsen der Inseln vor lauter Vogelmist weiß aus. Bäume sind auf den Orkney eine Rarität. Zwischen Mainland und Shapinsay kreuzten wir bei 5-6 Beaufort bis zum Hafen der Hauptstadtinsel Kirkwall. Empfangen wurden wir mit Dudelsackmusik und vom Hafenmeister. Er wies uns einen Liegeplatz als 3. Boot im Päckchen zu. Ein Yachthafen befindet sich gerade im Aufbau. Auf dem Weg zum Hafenmeisterbüro erzählte er über das Altenheim-Kreuzfahrtschiff, das draußen vor Reede liegt. Die Leute machen eine Inselrundfahrt (deshalb auch der Dudelsackspieler mit Kilt am Hafen) und abends sind sie wieder an Bord. Dort essen und trinken sie auch, für die Orkney kein großer Gewinn.
Kirkwall ist die größte Stadt auf den Orkney, 7000 Einwohner, kleine graue Häuser mit den typischen britischen Kaminen. Es gibt eine Haupteinkaufstraße an der bis auf die Whiskeydestillearie und das Internetcafe alle wichtigen Sehenswürdigkeiten und Geschäfte liegen.
Heftige Regenschauer und kühler Wind, aber schönes Licht bei Sonnenschein. Und das alles mehrmals am Tag.
Kulturtag
Sonniger Tag mit Wolken und 5-6 Beaufort Wind. Leider aus der falschen Richtung. Mit dem Touristenbus des Öffentlichen Nahverkehrs, der zweimal täglich verkehrt, fuhren wir zunächst zu den Standing Stones of Stenness. Von den ehemals 12 Steinen, die 3000 v. Chr errichtet wurden, mit einer Höhe bis zu 4.80m stehen heute noch 3. Der Ring of Brodgar ist etwas jünger und 27 der ursprünglich 60 Monolithen stehen noch.
Die Hauptattraktion auf Mainland ist das jungsteinzeitliche Dorf Skara Brae. Die Siedlung stellt die besterhaltenen Steinzeithäuser Europas dar und ist um die 5000 Jahre alt. Es wurde 1850 nach einer Sturmflut freigelegt. Die acht Häuser sind einzigartig für die Zeit, weil Holz (das normale Hausbaumaterial der Jungsteinzeit) auf den Orkney Mangelware war, so dass die Bewohner auf Stein ausweichen mussten.
Die steinzeitlichen Häuser waren in wärmespendende Kompostwälle eingebettet. Sie wurden etwa von 3100 bis 2500 vor Christi Geburt bewohnt und stammen vermutlich aus zwei verschiedenen Siedlungsphasen. Neben den dicht zusammengebauten Häusern sind auch Abflusskanäle erhalten. Die Wege zwischen den Häusern waren überdacht. Die Häuser sind rundlich. Alle Behausungen hier sind sich sehr ähnlich und bieten in ihrem einzigen Raum eine Wohnfläche von etwa 36 Quadratmetern. Im Zentrum befand sich die Feuerstelle, und jedes Haus hatte eine riesige Anrichte aus Steinplatten. Zu beiden Seiten des Feuers stand ein Doppelbett aus Stein. Dies sind die ältesten bekannten Betten der Welt.
Vor dem Ablegen zur Mittagzeit wurden 20 l Diesel von der Tankstelle an Bord geschleppt. Durch die Nordwestpassage zwischen den Inseln Mainland und Gairsay bzw. Rousay ging es dem Atlantik entgegen. Diese Route war nicht geplant gewesen, aber unter Deck herrschte beim Navigator einige Konfusion über den richtigen Standort. Schon von weitem sahen wir an der Gischt wo die zwei Meere aneinander treffen.
Bei Düngung und Wind von vorne mussten wir den Motor starten, nachdem wir die Tideninsel Brough of Birsay querab hatten und Kurs auf Westschottland nahmen. Die Sicht war diesig, alles verschwamm in einem Grauton. Einige hatten leichte Probleme mit der Dünung gegen an.
Westküste Schottlands
Sonnenaufgang bei der Ansteuerung des Loch Inchards, langsam kam das Licht durch und die Wolken warfen auf die Berge ein faszinierendes Licht und Schattenspiel, in dem immer mehr Grüntöne auftauchten. Um 6.00Uhr morgens erzählte uns der Hafenmeister von Kinlochbervie am Kai auf uns wartend, dass er heute mit 12 Mann zum fischen herausfährt und Vogelkundler für 3 Tage auf Handa Island bringt. Handa Island ist eine Vogelschutzinsel. Kinlochbervie ist der Haupthafen der Weißfische, die Fischer kommen sogar von der Ostküste Schottlands mit Auto zur Arbeit.
Fischer fütterten einen Seehund aus der Hand. Auf Klopfzeichen an den Bootsrumpf kam der Seehund aus dem Wasser.
Der Versuch am Sonntag in dem kleinen Dorf die fehlende Seekarte Imray C67 zu bekommen scheiterte, da der Besitzer des Yachtladens nicht aufzufinden war. Dafür konnten wir unser Abendessen frisch vom Boot für 20 ₤ erstehen: 4 Stück Blaue Nordseehummer.
Nachmittags navigierten mit Hilfe der Baedeckerkarte und dem Revierführer Imray The Yachtman´s Pilot `Skye and Northwest Scottland´ vorbei an Handa Island in die Eddrachillis Bay. Die Einfahrt zum Loch a Chain Bhain war mit der Baedeckerkarte nicht so einfach zu finden. Erst die dritte oder vierte Bucht erwies sich als Fjord. Kurz vor Kylesku ist eine Engstelle , die mit einer 24m hohe Brücke überbrückt wurde. Unser Mast hatte zwar nur 16m Höhe, aber von unten sah es sehr eng aus. Bei strahlendem Sonnenschein in T-Shirt und kurzer Hose ankerten wir in der Cairn Bhain, obwohl ein Jetty und Moorings vorhanden waren.
Zu den Hummern, die immer nur einzeln im Kochtopf Platz fanden, gab es Spaghetti mit einer Oliven-Knoblauch-Zitronen Soße und einem Glas Weißwein.
Nachts weckte uns ein schrappendes Geräusch als ob sich die Ankerkette über Grund bewegt, obwohl wir nachts keine Veränderung der Lage feststellen konnten, lag das Boot morgens 5m querab vom Anker. Beim Ankeraufholen streikte die Ankerwinsch bei den letzten 8m Kette. Nach unendlichen Versuchen mit Vollgas vorwärts, rückwärts kamen wir endlich von der Stelle. Aber der Anker saß immer noch fest. Die Überlegung einen Taucher kommen zu lassen tauchte auf. Den Skipper sprach man in diesem Augenblick besser nicht an. Nach 1 Stunde war das Problem erkannt, wir hingen in einer Mooringkette fest. Mit Hilfe einer Leine, einer leeren Wasserflasche einem verlängertem Schrubber, einer durchsichtigen Plastikschüsseln und dem Dingi bekamen wir den Anker frei.
Den oberen Teil des angeblich höchsten Wasserfall Großbritanniens Eas Coul Aulan (200m) konnten wir schon bei der Einfahrt in den Loch Baeg bewundern. Da weder ein Jetty noch Moorings vorhanden war, ließen wir mit gemischten Gefühlen den Anker fallen. Der Außenborder des Dingis startete einwandfrei, aber der Propeller dreht sich nach dem Gang einlegen nicht. Die Paddel wurden bei ablaufendem Wasser kräftig bewegt. Um den Wasserfall in ganzer Höhe zu bewundern, wanderten wir zuerst den Klippen entlang und folgten später dem Bachlauf. Begleitet wurde der Bach von Heidekraut, Ried und Wollgras, auf einer Kiesinsel wuchs sogar Oregano. Über uns gingen die Hänge steil nach oben, eine Hangseite zeigte vereinzelte Bäume. Das Panorama erinnerte an die Alpen, auch beim Segeln auf den Lochs hatten wir immer wieder das Gefühl in den Hochalpen zu segeln.
Loch Nedd hieß unser nächstes Ziel drei Buchten südlich des Loch a Chain Bhain, ausgewählt auf Grund eines Fotos im Revierführer, das eine bewaldete Bucht in Herbstfärbung zeigte. Hier lagen viele Boote an Moorings, aber es war ein sehr schöner Platz. Unterwegs putzten wir auf der Badeplattform Miesmuscheln, die wir an den Klippen des Loch Baegs geerntet hatten.
Am nächsten Morgen zeigte sich Loch Nedd im strahlendem Sonnenschein, die Bäume und Felsen spiegelten sich im Wasser. Mit dem Dingi brachten wir unseren Müll in der Hoffnung beim Slip Mülltonnen zufinden an Land. Ein älterer Schotte, der nach seinem Boot schaute, verfrachtete unseren Müll kurzerhand in seinen Kofferraum, da die nächsten Mülltonnen etwas weiter entfernt waren.
Mit wechselnder Besegelung Blister, Genua und auch Motor ging es entlang der Küste nach Süden, vorbei am Naturdenkmal Old Man of Stoer, einer Felssäule. Ab 57°54,0’ N konnten wir die Baedecker Karte einpacken, die Imray C66 befand sich an Bord.
Nur am äußersten Ende des Schwimmplatons von Gairloch hatten wir mit unseren 1,60m genügend Wassertiefe bei dem Tidenhub von ca. 4m. Der Fischereiort hat einen kleinen Laden, Toiletten, Diesel und Wasser. Im Pub Old Inn (500m vom Hafen) befinden sich anscheinend Duschen. Nach dem späten Abendessen auch an diesem Abend Muscheln Aufbruch zum Pub mit schottischer Live Musik. Nach zwei Liedern packten die Musiker ihre Instrumente ein und es hieß last order. Allgemeines Erstaunen, Kopfschütteln ,Ungläubigkeit und Lachausbrüche ernteten wir bei zwei Schotten, als wir erklärten, wie wir Haggis zu bereitet hatten. Wir lernten: Haggis wird gekocht, serviert mit süßen Rüben und Kartoffeln.
Bei strahlendem Sonnenschein, Ostwind und Mittelmeertemperaturen segelten wir mit Blister, Genua in kurzen Hosen und T-Shirt weiter nach Süden den Inner Sound entlang. Steuerbord lagen Isle of Skye, Rona, Raasay, backbords ließen wir Loch Terridon, Crowlin Inslands, Loch Curron und Loch Kishorn liegen. Die Zeit drängte, da wir den Kyle of Loch Alsh der Strömung wegen bis um 16.00 Uhr erreichen mussten. Kreuzten mit bis zu 8kn auf dem Loch Alsh zum Loch Duick. Gegenüber dem, auf einer Insel vor Dornie liegende Eilean Donan Castle (völlig restaurierte Burg) machten wir an einer Mooring fest. Auch an diesem Abend standen Muscheln bis um Abwinken auf dem Speiseplan.
An diesem Tag waren die Schattenplätze begehrt. Morgens den Kyle of Rea durchfahren, laut Seekarte Spring rate 7-8 knots hinein in den Sound of Sleat, der an den Schwarzwald erinnerte. Vorbei an der Inseln Eigg, ein Tafelberg vulkanischen Ursprungs, am Point of Anamurcham fiel die Entscheidung östlich um Mull zu gehen, da es auf der westlichen Seite kam geschützte Ankerplätze auf dem direktem Weg nach Süden gibt und die Zeit drängte.
In dem 1788 gegründeten Fischerort Tobermory endete der Segeltag vorzeitig. Der kleine Ort dessen bunte Häuser sich um eine kleine Bucht gruppieren ist malerisch und so entschlossen wir zu bleiben. Beim Festmachen an der Mooring verhakte sich der Bootshaken an der Kette. Beim Hochheben der Mooring um den Bootshaken freizubekommen verbog sich die Klampe. Kaum lagen wir fest, kam der Mooring-Meister und erklärte, die Mooring wäre nur für Boote bis 25 Fuß geeignet. Aber eine passende Mooring hätte er für uns auch nicht, da alle anderen besetzt waren. Während dem Anlegebier bemerkte Marcus, dass das Groß noch gesetzt ist. Allgemeines Gelächter, das sich steigerte als einige Zeit später ein Boot unter Segel und Motor ins Mooringfeld kam, festmachte und das Groß auch nach unserem Abendessen noch stand.
Kurz vor dem Abendessen kam der Mooring-Meister und meinte, wir sollten doch besser die Mooring verlassen und ankern.
Den Außenborder hatten wir mittlerweile repariert. Der Sicherungsbolzen am Propeller war gebrochen, selbst dieses kleine Messingteil fanden wir in den Ersatzteilkisten und wir verbrachten in Abend in der Nähe des Dingi-Anlegersteges im Pub mit Live-Musik bis 2 Uhr früh.
Der Tag zeigte sich schon am Morgen in Grau. Während wir den Sound von Mull entlang segelten, fielen die ersten Regentropfen. Da wir abends in Crinan das Boot abgeben mussten, wurden die Segel geborgen und motort. Dazu benutzten wir von der Sprayhood aus die Fernsteuerung des Autopiloten. Die Fahrt führte uns durch den Firth of Lorn in den Sound of Luing vorbei an Karrera, Iona Scarba und einigen kleineren Inseln, in den Sound of Jura. Die Strömung im Sound of Luing setzte gegen uns und wir fuhren teilweise mit 3500 Umdrehungen und machten nur 1-3 kn Fahrt über Grund. Das Wasser bildete große kreisrunde Strudel, daneben sah es aus wie kochendes Wasser. Am stärksten wurde die Strömung bei der Insel Scabra, wo der Great Race mit 7-8kn in den Sound of Jura strömt. In Crinan schleusten wir ein letztes Mal - in das Bassin. Von dort aus führt ein Kanal zum Loch Fyne. Während die Crew sich im Pub Abschied feierte, checkte der Skipper aus. Der letzte Abend im Pub erfolgte mit viel Gelächter und Stories eines 71-jährigen Schotten und dessen Freund.
Fazit: Nicht das letzte Mal waren wir in Schottland Segeln . Die Westküste mit den vielen Inseln Innere und äußere Hebriden, Isle of Skye, Mull, Tiree, Arran und rüber nach Nordirland ist ein Traum für jeden echten Segler. Leider hatten wir zu wenig Zeit um die vielen Inseln näher zu erforschen. Die Menschen sind freundlich, offen und hilfsbereit.